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Literatur um Fünf - Frankfurter Begegnungen<br>Hilde Domin und Frankfurt am Main<br>Vortrag von Clemens Greve

Literatur um Fünf - Frankfurter Begegnungen
Hilde Domin und Frankfurt am Main
Vortrag von Clemens Greve
Am Mittwoch, 25. Oktober 2017, 17.00 Uhr

Eintritt frei

Hilde Domin © Foto S. Fischer Verlag GmbH

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Hilde Domin (1909 – 2006) und Clemens Greve (1966) haben zusammen 1995 das Buch „Nachkrieg und Unfrieden“ herausgegeben, das von Marcel Reich Ranicki als „eines der wichtigsten Bücher der Nachkriegszeit über die Entstehungsgeschichte deutscher Nachkriegslyrik“ besprochen wurde, („Nachkrieg und Unfrieden – Gedichte als Index – 1945 – 1995“, Fischer, ISBN 978-3-596-12526-5).

Domin und Greve lernten sich bei einer Autofahrt im „Autoren-Volvo“ des Suhrkamp-Verlags kennen, der beide zu einer Einladung des Suhrkamp Verlags in Heidelberg abholte und nach Frankfurt beförderte. Der Fahrer brachte beide an einem frühen Sonntagmorgen, am 15. Dezember 1991, zu einer Hommage anlässlich des 100. Geburtstages der Dichterin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs ins Frankfurter Schauspielhaus. Greve hatte damals über Nelly Sachs gearbeitet und Domin hatte mit der Sachs eine intensive Brieffreundschaft. Der Fahrer des Verlags musste beide in Frankfurt mehrmals aus dem Auto hinausbitten, nachdem man über eine Stunde – im Parkverbot vor dem Schauspielhaus haltend – über Nelly Sachs und andere Autoren und literarische und politische Themen, mal lauter und mal leiser diskutierte. Domin, die aus dem Auto steigend immer noch heftig und unüberhörbar diskutierte, kam dabei fast zu spät zu Ihrem Vortrag und lachte auf dem Podium und berichtete vor dem Schauspiel-Publikum über die gerade stattgefundene Autofahrt und ein merkwürdiges Gespräch mit einem Studenten. Von da ab arbeiteten Domin und Greve regelmäßig zusammen und trafen sich über Jahre hinweg zu gemeinsamen Gesprächen. Sie trafen sich aber auch mit Autorinnen und Autoren wie Ulla Hahn, Wolf Biermann, Reiner Kunze, Albrecht Goes, Günter Grass, Heinz Piontek, Peter Rühmkorf, Heiner Müller, Karl Krolow, Durs Grünbein, Hans Magnus Enzensberger, Elisabeth Borchers und auch vielen unbekannten jungen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die fast alle an dem gemeinsamen Buchprojekt „Nachkrieg und Unfrieden“ und zahlreichen dazu stattgefundenen Lesungen mitwirkten.

Dass die Geburtsstadt Köln und die Wahlheimat Heidelberg eine zentrale Rolle im Leben der Dichterin spielten, ist allen Domin-Lesern bekannt. Dass Sie aber in den 50er Jahren nach einem 22-jährigen Exil u.a. einige Jahre in Frankfurt lebte, ist nur wenigen bekannt. Ihre Mutter, deren Tod die Dichterin dazu veranlasste Lyrik zu schreiben, wurde in Frankfurt geboren. In Frankfurt ist auch ihr Ehemann, der klassische Archäologe Erwin-Walter Palm in der Lindenstraße geboren und aufgewachsen. Nicht zuletzt fand das Werk Hilde Domins im Jahr 1959 im Frankfurter S.Fischer Verlag seine sichere Heimat. Durch den Verleger Bermann-Fischer und vor allem durch den bedeutenden Cheflektor des S.Fischer Verlags, Rudolf Hirsch, wurde die Bedeutung der Lyrik Domins im Frankfurter S.Fischer Verlag erkannt und bis heute publiziert. Welche Gedichte Domins in der Frankfurter Zeit entstanden sind, welche wichtigen Begegnungen sie in Frankfurt hatte und wo sie in Frankfurt wohnte, wird an diesem Nachmittag vorgestellt. Es werden aber auch die Gespräche die Domin und Greve über Domins Frankfurter Begegnungen führten, von Greve mitgeteilt. Ein erstes Gespräch über Frankfurt fand damals auf der Fahrt nach Frankfurt im Suhrkamp-Volvo statt, ein nicht endend wollendes Gespräch…

Eintritt frei, begrenztes Platzangebot, Anmeldung unter: info@frankfurter-buergerstiftung.de